Doch Netzsperren in der Schweiz?

Die Neuigkeiten aus der Schweiz sind in letzter Zeit irgendwie widersprüchlich. Einerseits wird im neuen Geldspielgesetz eine Netzsperre für ausländische und damit illegale Casinos gefordert, andererseits hieß es diese seien in erster Instanz abgelehnt worden.

Nun soll aber wohl der Schweizer Nationalrat beschlossen haben die ersten drei Teile des neuen Gesetzes umzusetzen. Demnach sollen Online Glücksspielanbieter, die nicht in der Schweiz lizensiert sind, durch Schweizer Internetanbieter gesperrt werden.

Man will hier nach einer schwarzen Liste vorgehen. Außerdem soll das Angebot auf weniger legale Anbieter beschränkt werden. Und bei den legalen Anbietern soll es sich zudem um Schweizer Casinos handeln, die ihr Angebot künftig auch Online anbieten wollen.

Aber lassen sich solche Netzsperren realistisch durchsetzen? Derzeit bieten noch so einige Online Casinos, die beispielsweise in Malta, Gibraltar oder Großbritannien lizensiert und damit reguliert sind, ihr Glücksspiel auch Schweizer Kunden an.

Von illegalen Casinos kann hier oft gar nicht die Rede sein, aber wie in Deutschland und Österreich besteht auch hier das Problem, dass Online Glücksspiel nicht im Sinne der EU reguliert wird und inmitten einer Grauzone existiert.

Netzsperren können relativ einfach umgangen werden und die Frage wäre, wie die Schweiz hier vorzugehen hofft. Abgesehen von technischen Problemen solche Netzsperren effektiv durchzusetzen, gibt es natürlich auch Bedenken über die Einschränkung der persönlichen Freiheiten der Bürger.

So ist die Rede schon jetzt von einer „gefährlichen Zensurinfrastruktur“, denn wenn Netzsperren einmal eingeführt sind, können diese auch ausgeweitet werden.

Die Schweizer Casinos reiben sich indes die Hände, sehen sie doch ihre Chance ihre Angebot auf das Internet auszuweiten, was bereits seit geraumer Zeit geplant ist, und dann dort die Einnahmen zu übernehmen, die bislang an „illegale“ Online Casinos geflossen sind. Die Rede ist hier immerhin von 250 Millionen Franken.

Ob sich die Kunden hier so einfach umorientieren ist allerdings keinesfalls sicher. Schließlich kann es noch eine Weile dauern, bevor die Spielbanken überhaupt ihre Spiele ins Netz gestellt haben und dann ist durchaus die Frage, was für ein Sortiment an Spielen bereit gestellt wird. Mit dem Angebot vieler Online Casinos dürften die Spielbanken kaum mithalten können. Und angesichts einer geplanten Netzsperre, die von den Spielbanken natürlich befürwortet wird, könnte sich so manch einer entschließen, das Angebot der Spielbanken zu boykottieren.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Schweizer Nationalrat das Ganze vorstellt und welche Schritte nun tatsächlich eingeleitet werden.